IMKEREI IN HERDECKE

 

 

Westfalenpost 26.6.2013

 

Bienen auf der Suche nach Blüten                                                                           

Es ist kalt und nass. Blüten werden vom Regen zerzaust, üppig sind die Knospen sowieso nicht. „Die Bienen kehren ohne Pollen zum Stock zurück“, zeigt Imker Edgar Melenk auf die fleißigen Insekten, die auf dem Rahmen, den er aus der Beute (dem Bienenkasten) gehoben hat, herumkrabbeln. Dass die Tiere kaum Nahrung mitbringen, liegt nicht nur am verkorksten Sommer. „Es gibt hier in Herdecke auch kaum Futterpflanzen“, beklagt er das viele Grün, das den Bienen kaum Nahrung bietet.

Buchsbaum, Kies und einen Teich - der moderne Designer-Garten bietet vielleicht etwas fürs Auge, Insekten finden hier aber keine Nahrung. Edgar Melenk hat seine Wirtschaftsvölker darum schon außerhalb von Herdecke untergebracht. Neben seinem Haus oberhalb des Herdecker Bachs in Ende steht lediglich der Nachwuchs. Bienen, die als Volk erst wachsen. Vor ein paar Jahren fanden auch diese Völker reichlich Futter im Tal.

Doch dann wurden die Sal-Weiden am Bachlauf gefällt, „dort wurde ein Rückhaltebecken gebaut“, erinnert sich Melenk. Diese bis zu fünf Meter hohen buschigen Weiden blühen bereits im März und sind so eine erste Futterpflanze für Insekten. Jetzt stehen auf der Wiese Brennnesseln und Herkulesstauden. Erstere sind gut für Schmetterlinge, doch schlecht für eine Blütenvielfalt. „Die überwuchern alles“, sagt der Imker. Vom Riesenbärenklau ganz zu schweigen. Löwenzahn, Weißklee – auch diese als Unkraut bezeichneten Wildblüten sind selten geworden. „Das schadet auch Wildbienen und Hummeln“, sagt Melenk.

Der 51-Jährige hat einen Teil seiner Völker in der Nachbarstadt Hagen stehen. „Da sind die Lärmschutzwände zum Beispiel mit Cotoneaster bepflanzt“, übt er auch ein wenig Kritik an der Herdecker Pflanzstrategie. „Schauen Sie sich die Umgehungsstraße an, da blüht kaum etwas.“ Die Bürgermeisterin, die Melenk bereits angesprochen hat, hat ihm gegenüber auf die geringen städtischen Flächen hingewiesen. Doch das lässt der Imker nicht gelten. „Selbst auf einer Verkehrsinsel kann man bienenfreundliche Pflanzen unterbringen.“ Die steigende Zahl von Großstadtimkern machen es vor.

Zur mangelnden Blüten-Vielfalt kommt in diesem Jahr auch noch das schlechte Wetter. „Es war einfach zu lange kalt“, sagt Edgar Melenk. Bienen fliegen bei knapp 15 Grad, wenn es sein muss, auch einmal bei 12 Grad. Doch die Kälte in den ersten Monaten hat den Völkern arg zugesetzt. Melenk hat sogar schon davon gehört, dass Bienen verhungert sind. Wenn man die Tiere an seinem Haus anschaut, wird klar, was er meint. Unter den vielleicht 300 krabbelnden Insekten, die die Brut auf einem der Rahmen mit Nahrung versorgen, sind gerade einmal zwei, die die typischen Pollen-Hosen anhaben. Staubanhaftungen an den Hinterbeinen, die in den Blüten gesammelt wurden.

So wenig erfolgreich die Bienen in diesen Tagen sind, die Imker können sich über Zuwachs freuen. Und: Es kommen immer mehr junge Menschen in die Vereine. „Gerade haben wir einen Zwölfjährigen aufgenommen“, sagt Melenk. Auch wenn das ein „Ausreißer nach unten“ sei, die Imkerei sei nicht mehr nur ein Rentner-Hobby. „Viele Menschen wollen etwas für und in der Natur tun. Und Imkern ist dafür ein sehr schönes Hobby.“

Melenk selbst hat es vielen Menschen vermittelt, wie leicht der Umgang mit den bei manchen Menschen gefürchteten Insekten ist. „Ich habe zwei Völker quasi ausgeliehen und die Neu-Imker ein Jahr intensiv betreut.“ Die Völker sind geblieben, Edgar Melenk hat wieder Zeit für die eigenen Bienen. „Dieses Heranführen ist natürlich sehr zeitaufwendig. Das kann man nicht oft machen.“ Zumal der Herdecker als Imker nicht nur regional unterwegs ist. Einige seiner Bienenvölker stehen auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee. Dort sorgen die Tiere bei einem Biobauern für eine reichliche Kirschen-Ernte. Und auf Melenks Frühstückstisch für eine echte Honig-Spezialität. „Da schmecken sie die Kirschen richtig heraus.“

Susanne Schlenga

 

 

Die Bienenkönigin legt Eier, ihr Volk versorgt den Nachwuchs.

             Foto: Susanne Schlenga