IMKEREI IN HERDECKE

 

 

 

 

 

Nachrichten aus Wetter und Herdecke; WP/WR 10.07.2007

 

Honig - ein Naturprodukt aus Herdecke

Herdecke/Wetter. (PZ) Den "Tag der deutschen Imkerei" begingen am Samstag alle Bienenzüchter der Nation. Mit vielen Aktionen waren auch die Imker in Wetter und Herdecke dabei. Denn obendrein gab es noch das hundertjährige Jubiläum des deutschen Imkerbund

Sieben Völker stehen in seinem Garten um ein Beet mit vielen Lavendelbüschen herum, das die Bienen ausgiebig anfliegen. Trotzdem produziert Ludger Sauerwald hier Mischhonig, denn auch in den Gärten der Nachbarn tummeln sich seine Bienen. "Die sind mittlerweile aber fast zahm geworden", beruhigt Sauerwald und ergänzt: "Bienen sind ohnehin nicht angriffslustig." Trotzdem setzt der erfahrene Imker einen Schleierhut auf, als er die erste Beute - so heißt der Bienenstock im Fachjargon - öffnet, um einen Rahmen mit frischen, kaum gefüllten Waben herauszuholen. Der Schutz erweist sich dann auch sofort als notwendig, denn eine besonders vorwitzige Wächterbiene hat sich schon auf seiner Hand nieder gelassen und ihren Stachel darin versenkt. Ludger Sauerwald, der die Imkerei seit neun Jahren betreibt, wischt die sterbende Biene und den Stachel einfach ab. Die übrigen Bienen stecken mit ihren Köpfen allesamt in den Waben, als der Holzrahmen ans Tageslicht kommt. "Das ist der Schutzreflex der Bienen. Wenn etwas los ist, fressen sie", erklärt der Hobbyimker.

Die Beute ist mit einem Gitter, durch das die dicke Königin nicht hindurch passt, in Brut- und Futterbereich unterteilt, um die Ernte zu vereinfachen. Der Brutbereich ist gut gefüllt, das Volk, obwohl noch sehr jung, ist also gut gerüstet für den Winter. "Kleine, schwache Völker werden in dieser Jahreszeit von Wespen oder auch Artgenossen des öfteren ihres Honigs beraubt, weil sie zu wenige Wächterbienen haben", ergänzt der Fachmann. Um dieses Volk muss sich Ludger Sauerwald jedenfalls nicht sorgen, man kann geradezu dabei zusehen, wie der Bienennachwuchs schlüpft.

Eine reale Bedrohung, die auch in der Öffentlichkeit für Aufsehen sorgte, ist hingegen die Varroa-Milbe. Als winzige, schwarze Punkte liegen ihre Leichen auf einem Stück Küchenpapier, dass Sauerwald nach der letzten Bekämpfungsaktion aus einem Bienenstock zur Demonstration geholt hat. "Die Milbe heftet sich schon an die Larven, hinterher an die fertigen Bienen und saugt diese regelrecht aus, wie eine Zecke. Dadurch wird die Biene geschwächt und stirbt letztendlich." Jedoch weiß Ludger Sauerwald Rat: "Ich bekämpfe sie mit Ameisensäure, die ich in einen Zerstäuber fülle. Damit dampfe ich die Beute dann aus. Die Milbe und deren Brut vertragen diese schwache Säure nicht, für die Bienen ist sie aber harmlos."

Besorgter sieht Ludger Sauerwald hingegen das rätsel- und massenhafte Bienensterben in den USA, für das es bis jetzt keine Erklärung gibt. "Ich vermute allerdings, dass die Bienen an zu großem Stress sterben. In Amerika haben die Bienen nämlich hauptsächlich die Aufgabe, riesige Plantagen zu bestäuben, die Honigproduktion ist nachrangig. Darum ziehen die Imker mit ihren Völkern von Ort zu Ort, was der natürlichen Lebensweise der Biene widerspricht", so die Meinung des Hobbyimkers. "In Deutschland brauchen wir uns deshalb keine Sorgen zu machen. Wer aber etwas für den Schutz unserer Bienen tun möchte, der sollte nur sauber ausgespülte Honiggläser in den Müll werfen, sonst könnten einheimische Bienen an die Reste fliegen und sich eventuell eine Krankheit holen, die in dem möglicherweise importierten Honig eingeschleppt wurde", appelliert Sauerwald.

Wer den leckeren und völlig biologischen Honig der einheimischen Imker einmal probieren möchte, der kann das bei REWE in Kirchende tun: Dort bieten Ludger Sauerwald und sechs weitere heimische Imker insgesamt zwölf verschiedene Sorten Honig aus der Region an.